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Europäische Wissenschaftsbeziehungen (19.)
Homo tantum potest quantum scit - Fresco in der Sala delle Edicole des Palazzo Liviano der Universität Padua
Freitag, 21.09.2018 – 10:00 Uhr bis Sonntag, 23.09.2018 – 11:35 Uhr
(3-tägige Veranstaltung!)
Padua/Italien, Universität Padua
Zensur und Selbstzensur in Kunst und Wissenschaft
Europäische Wissenschaftsbeziehungen 19

Die Projektkommission „Europäische Wissenschaftsbeziehungen“ der Akademie gemeinnütziger Tätigkeiten zu Erfurt führt am 21.-23. September 2018 unter der organisatorischen Leitung von Professor Dr. Dietrich v. Engelhardt (Karlsruhe/Lübeck) und Professor Dr. Gian Franco Frigo (Padua), beide Mitglieder der Erfurter Akademie, ihre 19. Tagung durch zum Thema:

‚Zensur und Selbstzensur in Wissenschaft, Literatur und Künsten der Neuzeit bis zur Gegenwart‘

Das Thema der Zensur und Selbstzensur begleitet den Menschen seit der Antike. In Rom gab es eine Behörde, die über die Ausgaben und das Verhalten der Senatoren und Ritter zu achten hatte; die „animadversio censoria“ zog eine gesellschaftliche Verurteilung nach sich, die mit der Zeit auch Rechtscharakter annahm und mit Strafen sanktioniert wurde. Im Mittelalter übernahm im Kampf gegen die Häresie die Kirche die Praxis des Verbots und der Unterdrückung von Schriften, die von der Orthodoxie als gefährlich angesehen wurden.

Mit Beginn des Buchdrucks, der eine rasche und unkontrollierte Ausbreitung der verschiedensten Ideen und Doktrinen erlaubte, bemühten sich sowohl Kirche wie auch politische Mächte, indem sie sich das Recht für den Buchdruck sicherten, mögliche destabilisierenden Auswirkungen auf der doktrinären wie gesellschaftlichen Ebene zu verhindern. Luther und andere Reformatoren benutzten ihrerseits den Buchdrucks, um schnell und effektiv ihre Lehren publik werden zu lassen, während die römische Kirche 1559 dieser Bewegung und später anderen Entwicklungen und Auffassungen mit dem ‚Index librorum prohibitorum‘, der erst 1966 abgeschafft wurde, entgegenzuwirken versuchte.

‚Zensur‘ und ‚Selbstzensur‘ blieben aber im Verlauf der Neuzeit nicht auf theologische Themen beschränkt, sondern betrafen auch Philosophie, Wissenschaften, Literatur und Künste und haben weltweit bis in die Gegenwart kein Ende gefunden. Die spektakulären und oft untersuchten Verurteilungen von Giordano Bruno und Galileo Galilei verfolgten das Ziel, Denker und Wissenschaftler davon abzuhalten, andere als offiziell anerkannte Ideen zu veröffentlichen; Descartes, dessen Werke 1663 auf den Index gesetzt wurden, verzichtete bekanntlich nach der Verurteilung von Galilei darauf, seinen ‚Traité du Monde‘ zu vollenden und herauszubringen. Die ‚Zensur‘ führte wiederholt zu einer Art präventiver ‚Selbstzensur‘, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Literatur und den Künsten. Torquato Tasso schrieb sein ‚Gerusalemme liberata‘ um ('Gerusalemme conquistata'); einige Gemälde Caravaggios wurden als theologisch fragwürdig und für die verbreiteten religiösen Gefühle verletzend von den Auftraggebern abgelehnt. Bücherverbrennungen, Bilderzerstörungen, Aufhebung der Forschungs- und Meinungsfreiheit durchziehen die Jahrhunderte seit der Renaissance bis in die Gegenwart – unterschiedlich in den Natur- und Geisteswissenschaften, der Literatur, Malerei und Musik.

Überall, wo sich autoritäre und diktatorische Herrschaftssysteme entwickeln, kommt es zu Intoleranz, Unterdrückung, zu Zensur und Selbstzensur. Das 20. und 21. Jahrhundert liefert besonders bedrückende Beispiele: von der Vernichtung politischer Gegner über die Verurteilung nicht linientreuer Schriftsteller und Künstler bis zur Förderung ideologiebestimmter und empirisch unhaltbarer Theorien der Wissenschaft. Nicht nur der Staat, auch Gesellschaft und Medien sind mit Gefahren der Zensur und Selbstzensur verbunden. Stets stellt sich – auch unter demokratischen Verhältnissen – und besonders in der Literatur und den Künsten, aber auch im menschlichen Verhalten die Frage, wo die Grenze zwischen individueller Freiheit und Respekt vor den Gefühlen und der Meinung der Mitmenschen und Angehörigen anderer Kulturen und Religionen zu ziehen ist.

Übergreifende Betrachtungen, differenzierende Analysen und vor allem auch komparative Untersuchungen der Wissenschaften, Literatur und Künste in den Epochen und Länder der Neuzeit stehen – im Sinne der europäischen Wissenschaftsbeziehungen – über dem geplanten Symposium am 21.-23. September 2018 in Padua.

Anmeldungen von Vorträgen mit Titel und 3-5 Zeilen zum Inhalt erbitten Herr Frigo und ich bis Ende März 2018 an meine Adresse: Prof. Dr. Dietrich v. Engelhardt, per e-mail: v.e@imgwf.uni-luebeck.de oder per Post Fichtestr. 7, 76133 Karlsruhe. Die Entscheidung über das Programm werden wir zu Beginn April treffen und bekanntgeben.

Prof. Dr. Dietrich v. Engelhardt (Karlsruhe/Lübeck)

Prof. Dr. Gian Franco Frigo (Padua)

Herbstsitzungen
Blick von Süden über die Gera zur Kleinen Synagoge
Freitag, 26.10.2018 – 13:00 Uhr
Erfurt, Kleine Synagoge
Herbst: Klassensitzungen

Für die Geisteswissenschaftliche Klasse werden die Theologin Prof. Dr. Miriam Rose / Univ. Jena und der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Dr.h.c. Klaus Dicke / Univ. Jena vortragen.

Frühjahssitzungen_2019
Blick über die Gera zur Kleinen Synagoge (Bildmitte)
Freitag, 29.03.2019 – 13:00 Uhr
Kleine Synagoge, Erfurt
Klassensitzungen im Frühjahr 2019
Mittwoch, 22.05.2019 – 10:00 Uhr bis Freitag, 24.05.2019 – 15:00 Uhr
(3-tägige Veranstaltung!)
Wien, Universitätsarchiv
Tauschen und Schenken. Wissenschaftliche Sammlungen als Resultat europäischer Zusammenarbeit
Europäische Wissenschafstbeziehungen 20
Festsitzung_2019
Samstag, 15.06.2019 – 10:00 Uhr
Erfurt, Augustinerkloster
Festsitzung der Akademie 2019
Freitag, 25.10.2019 – 13:00 Uhr
Erfurt, Kleine Synagoge
Klassensitzungen im Herbst 2019
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